INFORMATION
Bei diesem Reisebericht handelt es sich um eine Nacherzählung meiner England, Schottland und Wales Rundreise vom 18. – 28.07.2014. Ich habe versucht die Reise anhand meiner Erinnerungen, Unterlagen, Fotos, Tickets etc. so originalgetreu wie möglich nachzuerzählen, sollte es trotzdem zu kleinen Unstimmigkeiten kommen bitte ich darum mir dies nachzusehen.

Du möchtest also genauer wissen wie die Rundreise durch Großbritannien verlief und wie sie mich veränderte? Dann los! Auf den folgenden Seiten gibt es einiges zu erfahren.

Anreise / London

Unsere Anreise war völlig unspektakulär. In Hamburg in den Flieger einsteigen, in London-Heathrow wieder aussteigen, die Uhr eine Stunde zurück drehen – fertig! Damit begann dann aber nicht die ersehnte Entspannung im Urlaub sondern…die „Trolley Wanderung“.

Als erstes ging es mit der Tube – der Londoner Version der U-Bahn – zur Station „Leicester Square“ wo wir im Keller der Touristeninfo unseren schon vorab aus Deutschland bestellten London Pass abholten. Mit dem London Pass kommt man kostenlos oder vergünstigt in viele Londoner Sehenswürdigkeiten und hat bei einigen den Vorteil nicht warten zu müssen, sondern an der Schlange vorbei gehen zu können. Wir haben uns in unseren zwei Tagen in London die Westminster Abbey, die St. Paul’s Cathedral, die Royal Albert Hall und das Apsley House am Hyde Park angesehen. Bei einem Preis von 85£ (zu diesem Zeitpunkt ca. 106€) für einen zwei Tages Pass pro Erwachsenem hat sich der Pass für uns nicht gerechnet, das sollte man also vorher prüfen und seine Sightseeing Tour gut vorausplanen.

Mit dem London Pass in der einen Hand und den Trolleys in der anderen wollten wir erst einmal unser Gepäck loswerden! Unser B&B befand sich allerdings in Wembley, also ziemlich weit außerhalb, deshalb beschlossen wir den ganzen Krempel in ein Schließfach am Bahnhof Charing Cross zu sperren und erst Abends wieder zu holen wenn wir mit der Linie Bakerloo zum B&B fahren.

Das ganze darf man sich nicht wie in Deutschland vorstellen (Schließfach auf, Koffer und Geld rein, Schließfach zu) sondern etwas komplexer. Die Koffer wurden vom bewaffneten und uniformierten Personal durchleuchtet, wir mussten auf die Bibel schwören versichern das wir keine Waffen oder Sprengstoffe mit uns führen und dann wurden die Koffer per Laufband in einen nicht begehbaren Bereich entsorgt.

Von den Trolleys befreit machten wir uns daran die Stadt zu erkunden. Als erstes gab es, da wir ohnehin gerade da waren, das klassische Foto auf dem Trafalgar Square. Im Anschluss machten wir uns durch den wunderschönen St. James Park, in dem es von Grauhörnchen und Pelikanen nur so wimmelt und der noch viel mehr Natur zu bieten hat, auf den Weg zum Buckingham Palace.

St James's Park Lake
St James’s Park Lake

Im St. James Park hatte ich dann auch noch mein erstes Erlebnis mit eingeschweißten Sandwiches. Wir kamen an einer Art Imbisswagen vorbei der vollgestopft war mit dreieckigen Plastikverpackungen. Nachdem wir uns aus den gefühlt 100 unterschiedlichen Sorten jeder eins ausgesucht hatten ging das skeptische probieren los. Meine damalige Freundin war nicht begeistert, meine Mutter war nicht begeistert und ich – ich war auch nicht…Moment…ich esse die doch heute noch ab und zu!? Okay, ich war wohl nicht ganz so abgestoßen von durchweichten, pappigen Toastscheiben mit kaltem Ei und Speck 😉

Da wir den Zeitpunkt für eine Wachablösung der Grenadier Guards vor dem Buckingham Palace verpasst haben und nicht warten wollten, sind wir durch den Green Park direkt in den Hyde Park gelaufen. Der riesige See im Park hat zwei Namen (The Serpentine & The Long Water) und bietet mit seinem am Ostufer gelegenen „Serpentine Bar & Kitchen“ eine super Lokalität für einen Tee, Kaffe, etwas kaltes oder einen Snack.

Die Runde um den See haben wir nicht ganz beendet, stattdessen haben wir die Brücke in der Mitte überquert und sind Richtung Park Ausgang gegangen. Ungeplant und somit dem Zufall sei Dank, sind wir direkt am Albert Memorial, genau gegenüber der Royal Albert Hall aus dem Park gekommen. Das Gebäude ist schon von außen imposant, da wir mit dem London Pass aber freien Zutritt zu einer Führung hatten sind wir direkt hineingestolpert.

Royal Albert Hall
Royal Albert Hall

Die Architektur des Gebäudes an sich und der Kuppel im besonderen ist der Wahnsinn wenn man bedenkt wie alt das Gebäude ist. Die Akustik der Halle soll viele Jahre lang unerträglich schlecht gewesen sein, dies wurde aber mittlerweile behoben und heutzutage finden täglich Shows, Konzerte, Basketballspiele oder ähnliches in der Halle statt. Die Führung war wirklich ziemlich interessant und hat viele der geschichtlichen Details des Gebäudes, der gegenüberliegenden Statue und der Geschichte um Prinz Albert und Königin Victoria erklärt.

Da es schon einigermaßen spät und wir außerdem alle ziemlich kaputt waren beschlossen wir in unser B&B zu fahren und uns den Rest Londons am nächsten Tag anzuschauen. Also zurück zur Station „Charing Cross“ und unsere Koffer aus dem Gepäckgefängnis befreit und dann rein in die Bakerloo Richtung Wembley Central Station.

Dort angekommen machte sich sofort ein mulmiges Gefühl bei uns allen breit, denn Wembley ist augenscheinlich keiner der Vorzeigestadtteile Londons – Spielhallen, Prostitution und vergitterte Fenster begrüßen einen direkt bei verlassen der Bahnstation – Rollkofferziehend machten wir uns auf die Suche nach unserem B&B dem Euro Hotel Wembley welches ich wirklich niemandem weiterempfehlen kann.

Auf halbem Weg fanden wir endlich etwas, das wir den ganzen Tag schon gesucht haben – „The Phone House“! Schnell wurden zwei SIM Karten für die beiden handysüchtigen gekauft. Die SIM Karten waren primär aber nicht für Facebook und Konsorten gedacht, sondern dafür das wir unter englischer Nummer erreichbar sind und uns per Google etc. Unterkünfte suchen konnten.

Im B&B angekommen stand uns der nächste Schock bevor – die Bude war unfassbar heruntergekommen! Überall waren pappdünne Wände eingezogen um mehr Zimmer in dem Haus unterbringen zu können und im Foyer liefen drei Fernseher mit Sportwetten vor denen fleißig gezockt wurde. Gebucht hatte ich ein Einzel- und ein Doppelzimmer, das war aber leider nicht mehr verfügbar, wir bekamen dann ein Zimmer mit 4 (!!) Betten darin in das lt. physikalischen Gesetzen nur 2 hineingepasst hätten, denn das Zimmer hatte etwa 9 m² + ein Duschbad mit 1,5 m². Die Fenster waren vergittert und von innen mit Pappe abgeklebt und ein an die Wand geschraubter Tischventilator verwirbelte die stickig-heiße Luft.

Der Müdigkeit sei Dank schliefen wir aber sofort wie die Steine und am nächsten Morgen im hellen und ohne das zwielichtige Volk auf den Straßen sah der Stadtteil auch schon ganz aunders aus.Da der Koffer meiner damaligen Freundin den Geist aufgegeben hatte (Rolle kaputt), gingen wir erst einmal los und erstanden einen neuen. Der neue Koffer war ziemlich günstig, machte aber einen stabilen Eindruck. Auf dem Weg zurück zum B&B um umzupacken empfahl uns ein netter Herr ein Café in dem man sehr gut frühstücken können sollte.

Zu dritt ging es dann in Flannery’s Bar wo es wirklich ein ausgezeichnetes Frühstück gab! Meine Mutter entdeckte Ihre Vorliebe für Porridge mit Früchten oder Honig und ich traf meine neue Geliebte – das englische Frühstück ?

Mit vollgeschlagenem Bauch und frisch umgepacktem Koffer ging es wieder mit der Tube in die Stadt. Die Koffer kamen für einen weiteren Tag ins Gefängnis am Bahnhof Charing Cross und wir begannen das Touristenprogramm von London mit dem Besuch der Westminster Abbey.

Auch wenn ich mit Kirche und Religion wenig am Hut habe, hat mir die Kirche sehr gefallen. Kirchen fand ich als Bauwerke aber schon immer faszinierend. Ich denke das viele Fortschritte im Bereich des Ingenieurwesens und der Architektur, ohne den Willen einem wie auch immer gearteten Gott ein monumentales Denkmal auf Erden errichten zu wollen, nicht oder wenigstens nicht so schnell stattgefunden hätten.

Was mir außerdem gut gefallen hat ist das Grabmal des unbekannten Soldaten, einem Mahnmal all jenen gewidmet die in den großen Kriegen dieser Welt starben. Das Grabmal liegt im Mittelschiff der Westminster Abbey, so dass jeder – auch die königliche Familie und andere Adelsgeschlechter – als Ehrenbezeugung um das Grab herumgehen müssen. Der verstorbene unbekannte Soldat wurde unterhalb der schwarzen Marmorplatte in Erde von französischen Schlachtfeldern begraben.

Aus der Kirche hinaus ging es direkt weiter zum Palace of Westminster und Big Ben, das Parlament ließen wir aber hinter uns und überquerten die Themse über die Westmisnter Bridge um einen Blick vom gegenüberliegenden Ufer auf die Skyline von Westminster zu werfen – ein Wahnsinns Ausblick!. Das vollkommen überfüllte London Eye ließen wir aber aus und holten uns lieber einen Kaffee

Palace of Westminster mit Big Ben
Palace of Westminster mit Big Ben

Zurück auf dem nördlichen Ufer der Themse liefen wir ein Stück am Wasser entlang. Vorbei an den Fähranlegern und den Whitehall Gardens entdeckten wir das Embankment Café, ein wunderschön in den Victoria Embankment Gardens gelegenes Café in dem wir uns für eine Pause und einen Tee niederließen. Da Sightseeing hungrig macht habe ich dort direkt Fish & Chips gegessen und das Zeug war gut! Viele Bewertungen im Internet sprechen von schlechtem Essen und unfreundlichem Personal, das kann ich so überhaupt nicht bestätigen und würde jedem empfehlen sich für eine Pause auf die unglaublich schön gelegene Außenterrasse zu begeben.

Vom Café aus liefen wir weiter bis zur Temple Station und fuhren von dort bis zur Tower Bridge – gehört ja wohl auch ins London-Touri-Repertoire ? Warum das Geländer der Brücke allerdings in Minzblau gestrichen ist und nicht in z.B. eisengrau wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Auf der südlichen Uferseite versorgten wir uns im Café Paradiso mit Getränken und schlenderten durch den Potters Fields Park wieder einmal mit einem unglaublichen Blick auf die Skyline von London.

Tower Bridge
Tower Bridge

Von der Tower Bridge aus ging es per Tube zur Station Hyde Park Corner direkt am Eingang des Hyde Park (wo wir ja am Vortag schon waren), weil dort das Apsley House liegt das wir in unsere Liste zu besichtigender Dinge aufgenommen hatten. Das Apsley House beherbergte früher den Herzog von Wellington und ist repräsentativ für die Londoner Stadthäuser der englischen Aristokratie Ende des 18. Jahrhunderts. Den Klassenunterschied und die Dekadenz der herrschenden Klasse zu dieser Zeit sieht man hier sehr genau.

Da wir uns am nächsten Tag Stonehenge anschauen wollten, hatten wir uns zwischenzeitlich eine Bahnverbindung nach Salisbury herausgesucht und da es langsam Zeit wurde machten wir uns auf den Weg unsere Koffer erneut aus der Gefangenschaft zu befreien und unseren Zug zu erwischen.

Warum wir Stonehenge am nächsten Tag sahen aber nicht besichtigten und wohin es uns stattdessen verschlug ließt du auf der nächsten Seite.

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