Tag 3: Drymen – Rowardennan

Distanz 24km  Wanderzeit: 6 – 8 Stunden  Höhenmeter (↑) 650m

Morgens um sieben hatten wir den Wecker gestellt, Frühstück sollte es um acht geben. Vorsichtig bewegte ich meine gestern Abend doch sehr schweren Beine und siehe da, alles in Ordnung. Kein Muskelkater, keine Schmerzen, keine Blasen und Mama ging es ebenso.

Also schnell unter die Dusche gesprungen und einen Tee (Twinnings Breakfast Tea, Milch, viiel Zucker!) gemacht und auf der vom Morgentau nassen Terrasse getrunken, dann machte sich der Hunger auch langsam bemerkbar.

Ich bekam das am Vorabend per Zettel bestellte “Full Scotish Breakfast” und Mama bekam Porridge mit Früchten. Das Full English und das Full Welsh Breakfast war ich schon gewohnt, auf meinem Full Scotish tummelten sich aber zwei Scheiben Wurst die mir etwas suspekt vorkamen. Eine schwarz wie die Nacht und die andere weiß-bräunlich, beide sehr krümelig und scharf angebraten.

Blutwurst erkenne ich auf den ersten Blick und normalerweise ist der alkalische Eisengeschmack nicht meins. Da ich aber von jeher der Devise folge auf Reisen alles zu probieren was mir angeboten wird, hielt ich mich auch diesmal daran. Der black pudding war deutlich besser als die Blutwurst die ich bisher probiert habe, große Freunde werden wir aber wohl nie. Der white pudding hingegen hat es mir wirklich angetan und neben Twinnings Breakfast Tea ist white pudding eins der wenigen Produkte die ich mir in Deutschland regelmäßig bestelle.

Vom Frühstück gestärkt zogen wir um kurz vor neun los obwohl es noch sehr grau draußen war und der Frühnebel und Tau dafür sorgten das es einigermaßen kalt war. Unser Gepäck mussten wir nicht zum Weitertransport aufgeben. Am Ende der Tagesetappe würden wir abgeholt werden um eine weitere Nacht in diesem traumhaften B&B zu verbringen.

Nebel auf den Feldern östlich von Drymen
Nebel auf den Feldern östlich von Drymen

Die erste Stunde der Wanderung war mystisch! Der Nebel war sehr dicht und lockerte nur zwischendurch auf. Immer wieder tauchten Bäume und Sträucher schemenhaft in der Ferne auf und wurden nur langsam deutlicher. Hinzu kamen die Büsche am Wegesrand in denen hunderte von Spinnennetzen saßen in denen sich die Tautropfen verfingen…ein unglaublicher Anblick!

Morgentau verfängt sich in den Spinnenweben der Büsche am Wegesrand
Morgentau verfängt sich in den Spinnenweben der Büsche am Wegesrand

So liefen wir etwa eineinhalb Stunden stetig leicht bergauf und trafen Jogger, Radfahrer und Hundebesitzer die in der Gegend Ihren Frühsport machten. Zum Abschied sagte unser Gastgeber, auf das graue Wetter angesprochen, noch “By eleven, you feel in heaven!” und er sollte Recht behalten. Um halb elf verzog sich die Wolkendecke und der Frühnebel saß nur noch im Tal fest. Es wurde richtig warm und der Wandertag konnte nicht schöner beginnen.

Oberhalb des Frühnebels
Oberhalb des Frühnebels mit dem Conic Hill im Hintergrund

Hinter den ersten Hügelkuppen kommen bald wieder Bäume und mein geliebtes Wasser 😀 Die Natur an sich ist schon großartig, aber in der Natur zu sein und das plätschern eines Bachlaufes und kleinen Wasserfällen und Stromschnellen zu hören, da schaltet bei mir alles auf Entspannung, Frieden und innere Ruhe! Ähnlich erging es mir auch auf meiner Wanderung durch West Irland und Connemara, als wir auf Inishmor der Brandung des Nord Atlantik zusahen.

Wo eine Brücke ist...
Wo eine Brücke ist…

Unter der ersten Brücke, die mitten durch Baumkronen zu führen scheint, erblickt man einen der vielen Zuflüsse zum Loch Lomond. Kristallklares Wasser umspielt Steine und Felsen und versorgt das immerwährende und vielseitige Grün mit Nachschub. Acht mal kreuzt man diese kleinen Bäche und Flußläufe insgesamt bevor man in Balmaha ankommt. Ich könnte an jedem davon rasten, etwas essen und trinken und dem plätschern zuhören, aber dann wäre ich a) dick und wir würden b) nie ankommen 😉

...kann Wasser nicht weit sein.
…kann Wasser nicht weit sein.

Wir liefen also weiter und auch die Steigung blieb uns erhalten, bis wir auf 300 Höhenmetern die Spitze des Conic Hill erreichten. Von hier an begleitete uns ein unglaublicher Ausblick auf den Loch Lomond bis zum Hafen von Balmaha.

Gegen 13 Uhr kamen wir dann am vorgeschlagenen Rastpunkt in Balmaha an. Wir tranken im Garten des The Oak Tree Inn Tee und aßen eine Kleinigkeit. Das Oak Tree Inn ist, wie alles in Balmaha, direkt am Loch Lomond zu finden und bietet einen aus Schiefer erbauten Garten der durch seine gemütlichkeit wirklich zum rasten einlädt. Hier mal ein Eindruck davon (Mit freundlicher Genehmigung des Besitzers).

The Oak Tree Inn
The Oak Tree Inn

Nach der Pause – wir hatten nun etwa die Hälfte der Tagestour geschafft – ging es durch ein Waldgebiet, immer am Ufer des Loch Lomond weiter. Die Strecke war gut zu laufen, ein bisschen hügelig aber nichts, was einen norddeutschen Flachländer aus der Puste bringen würde 🙂

Der Hafen in Balmaha
Der Hafen in Balmaha

Direkt hinter Balmaha windet sich der Pfad erst einmal einen kleinen Hügel hoch, von dem aus man einen wunderschönen Blick über Loch Lomond hat. Etwa zwei Kilometer später führt der Wanderweg an einem Strand vorbei und es lohnt sich wirklich hinunter zu steigen und den Ausblick zu genießen, die Füße ins Wasser zu halten und das ein oder andere Foto zu knipsen.

Blick von einem Hügel hinter Balmaha auf Loch Lomond
Blick von einem Hügel hinter Balmaha auf Loch Lomond
Strandpanorama
Strandpanorama
Loch Lomond in all seiner Pracht
Loch Lomond in all seiner Pracht

Der weitere Weg führte immer weiter, wassernah am Loch Lomond entlang und bot viel Ruhe, frische Luft und einige späte Midges (Die Mücken der Highlands, das einzige was zuverlässig hilft ist ein Moskitonetz 😉 ). Obwohl es alle paar Meter etwas schönes in der Natur zu sehen gab, ergibt sich doch nicht so richtig viel Abwechslung und somit war der Wandertag viel zu schnell vorbei.

Wir riefen Ally an, mit Ihm war vereinbart das er uns an der Rowardennan Lodge abholt. Keine dreißig Minuten später waren wir wieder in unserem wunderschönen B&B in Drymen. Wir genossen also den späten Nachmittag noch auf unserer Terrasse, gingen später im Ort noch etwas essen und gingen, von viel Bewegung und frischer Lüft doch ziemlich müde, zeitig ins Bett.

Warum am nächsten Tag kein Mangel an Abwechslung herrschte lest Ihr auf der nächsten Seite.

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2 Comments

  1. Ein wirklich toller Bericht, der mich sehr neugierig auf den Weg gemacht hat. Vielen Dank für die vielen Infos!

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