Wales

Nach einem leckeren Frühstück in dem kleinen Café gegenüber unseres Apartements ging es für uns – wieder einmal mit den Trolleys – Richtung Bahnhof. Unser Zug war wieder einmal auf die Minute pünktlich, mittlerweile eine lieb gewonnene Selbstverständlichkeit die wir, zurück in Deutschland, noch schmerzlich vermissen sollten.

Das B&B das wir am Vortag telefonisch gebucht hatten hieß The Alt B&B und befand sich direkt am Rande der Stadt Talybont on Usk im Herzen des Brecon Beacons Nationalparks in Llansantffraed, Wales – ja, der lange Zungenbrechersatz ist Absicht! ?

Anne und Shamus, die Gastgeber im The Alt B&B, sind unglaublich nette und aufgeschlossene Menschen bei denen man sich sofort zu Hause fühlt! Die Zimmer waren mit viel liebe eingerichtet, sauber und wir hatten eine Badewanne die ich bis dahin sehr vermisst habe und sofort am Abend für ein Bad ausgenutzt habe.

Da es erst kurz nach Mittag war beschlossen wir etwas essen zu gehen und danach einen Spaziergang durch die kleine Stadt, eher ein Dorf, und die Umgebung zu machen.

Ortsschild "Talybont on Usk"
Ortsschild “Talybont on Usk”
Blick auf den "River Usk"
Blick auf den “River Usk”

Das B&B ist etwa einen Kilometer vom Ortskern entfernt mitten im grünen gelegen und auf dem Weg in den Ort überquert man den leise vor sich hinplätschernden River Usk und wird direkt danach von einem mit Blumen geschmückten Ortsschild willkommen geheißen.

Kaffee und Tee durstig ließen wir uns erstmal im wunderschönen Garten des Usk Inn auf halber Strecke nieder um kurz zu verschnaufen und ein paar Postkarten an die in Deutschland verbleibende Verwandschaft zu schreiben. Frisch gestärkt aber weiterhin hungrig machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Ortskern. Wir stießen ein paar hundert Meter weiter auf das The White Hart Inn & Bunkhouse welches uns optisch direkt zum Essen einlud, eine gute Entscheidung wie sich herausstellte.

Ich bestellte einen Steak & Ale Pie ohne genau zu wissen worum es sich dabei handelt, im Hinterkopf hatte ich eine Pastete. Es stellte sich aber heraus das es eher ein Gulasch mit Pilzen und Erbsen in einer Auflaufform ist welches mit Blätterteig überbacken ist – sehr heiß aber auch sehr sehr lecker!

Gut gesättigt machten wir uns auf den Weg zum Brecon Canal, welcher direkt hinter dem White Hart Inn über eine Brücke überquerbar ist. Der Kanal wurde früher dafür genutzt Kohle und Eisen aus umliegenden Vorkommen abzutransportieren. Dafür wurden Kohle und Eisen über kleine Eisenbahnen, sogenannte Tramways die von Pferden gezogen wurden, zum Kanal befördert und über den Kanal auf Booten Richtung Newport transportiert. Heutzutage bietet der Kanal einen wunderschönen, permanent vom Wasser begleiteten Wanderweg welcher auch von einigen Hebebrücken überspannt wird.

Wanderweg am Brecon Kanal
Wanderweg am Brecon Kanal
Hebebrücke und Hausboot am Brecon Kanal
Hebebrücke und Hausboot am Brecon Kanal
Blick auf den Brecon Kanal von der Brücke hinter dem White Hart Inn
Blick auf den Brecon Kanal von der Brücke hinter dem White Hart Inn

Wir liefen etwa 13 Kilometer am Kanal entlang und dann querfeldein zurück Richtung Talybont on Usk, ziemlich kaputt aßen wir noch einmal im White Hart Inn und spazierten dann zurück ins B&B. Wir beschlossen auch den nächsten Tag noch hier zu verbringen um mal einen Tag ohne das hin und herrollen von Koffern zu verbringen. Außerdem wollten wir uns einem langen Wanderweg widmen und uns sowohl das Talybont Reservoir als auch einen Wasserfall anzusehen den Shamus uns empfahl.

Am nächsten Morgen machten wir uns also nach einem “Welsh Breakfast” – eigentlich das selbe wie ein English Breakfast, aber okay – auf den Weg ins Örtchen um uns mit Wasser, Keksen und etwas Obst einzudecken.

Hinter dem White Hart Inn überquerten wir die Brücke und bogen in Richtung des Talybont Reservoir ab. Unser Plan war es das Reservoir auf der Ostseite weitläufig zu umwandern, uns die Wasserfälle im Landstrich Abercynafon anzusehen und dann durch den Talybont Forest auf der Westseite des Reservoirs zurück zu wandern.

Wanderwege um das Talybont Reservoir
Wanderwege um das Talybont Reservoir

Zum Startpunkt am Reservoir ging es durch ein kleines Waldstück in dem noch der Pfad zu sehen ist, den die Schmalspurbahn früher fuhr um Waren zum Brecon Kanal zu befördern. Am Reservoir angekommen staunten wir nicht schlecht, denn wir hatten von der Größe des Reservoirs gehört, im richtigen Verhältnis vorgestellt hatten wir uns das aber wohl alle nicht.

Über den Damm führt ein Weg den wir bis zur Mitte gelaufen sind um uns den kleinen Turm, dessen Bedeutung sich uns nicht ganz erschloss, anzuschauen der dicht am Damm aus dem Wasser ragt. Wenn du den genauen Zweck dieses Turmes kennst, schreib mir das doch bitte in die Kommentare.

Blick über den Damm des Talybont Reservoir
Damm des Talybont Reservoir
Blick über das Talybont Reservoir
Blick über das Talybont Reservoir

Direkt hinter dem Damm ging es langsam aber stetig bergauf, so dass wir immer mehr vom Tal und dem umliegenden Brecon Beacons Nationalpark überblicken konnten. Meine damalige Freundin kämpfte sich einen Hügel bis zur Spitze hoch um noch etwas mehr sehen zu können, da dieser Hügel aber niedriger als die meisten anderen Hügel in der Umgebung waren überließ ich Ihr das Vergnügen alleine.

Am anderen Ende des Reservoirs angekommen konnten wir das gesamte Reservoir und den Zulauf aus der Höhe bestaunen. Wir mussten nun alle gewonnenen Höhenmeter wieder sausen lassen, denn es ging nun bergab um den Zufluss zu überqueren und so auf die andere Seite des Reservoirs zu kommen. An dieser Stelle machten wir, aufgrund unserer fehlenden Kompetenz als Kartenleser, einen Fehler der uns erst viel später bewusst wurde.

Wir folgten also dem Weg über den Zufluss und hielten uns rechts. Schon bald kamen wir an ein paar Flussläufen vorbei die aus dem Talybont Forest Richtung Reservoir unseren Weg kreuzten und hierbei ein paar Felstreppen runterplätscherten…”Toller Wasserfall” war unser sofortiger Gedanke.

Da der Wald ansonsten aber sehr schön war, waren wir nicht all zu enttäuscht. Im Wald führten manchmal Felstreppen direkt in das Dickicht hinein – vermutlich Verbindungswege oder Abkürzungen für Waldarbeiter – die etwas sehr verwunschenes an sich hatten.

Blick über das Talybont Reservoir
Blick über das Talybont Reservoir
Zufluss zum Talybont Reservoir
Zufluss zum Talybont Reservoir
Weg in den Wald
Weg in den Wald

Als wir gerade einen Weg durch den Wald herunter kraxelten wurde das ohnehin nicht besonders sonnige Wetter schlagartig schlechter. Es zog sich zu und erste Regentropfen fielen auf uns herab. Innerhalb von Sekunden verwandelte sich das Tröpfeln in eine biblische Sintflut und der bis dahin etwas steinige und steile aber gut zu laufende Waldweg in einen reißenden Fluss mit glitschigem Untergrund. Wir gingen, kaum die Hand vor Augen sehend, noch ein paar hundert Meter den Waldweg entlang, nass waren wir eh bis auf die Knochen. Nach etwa 600 Metern wurde es aber wirklich zu gefährlich und es bot sich eine Möglichkeit vom Waldweg auf eine parallel zum Reservoir verlaufende Straße zu wechseln was wir auch taten.

Die Straße selbst war auch zu einem Fluss mutiert, aber dank Asphaltdecke anstatt Tannennadeln als Untergrund lief es sich deutlich sicherer. Nur etwa 10 Minuten nach unserem Wechsel ließ der Regen genau so schnell nach wie er begonnen hatte und die Sonne kam wieder raus. Am anderen Ufer fing der Wald an zu dampfen als das Wasser verdunstete – spektakulärer Anblick!

Damals noch Raucher, war ich froh über die noch nicht angebrochene Schachtel Zigaretten die die Sintflut dank der Plastikfolie überstanden hatte. Das war aber auch das einzige was trocken geblieben ist. Im Schatten leicht fröstelnd machten wir uns auf den Weg zurück nach Talybont un Usk. Uns war kalt und wir waren kaputt und Hunger hatten wir auch!

So nass wie wir waren konnten wir natürlich nicht gleich ins Restaurant zum Essen, sondern mussten erst ins B&B uns umziehen. Wir fragten im Restaurant wie lange Essen serviert wurde und uns wurde gesagt bis 20 Uhr…das waren aber nur noch 40 Minuten, wir mussten uns also beeilen! Schnell ins B&B, umgezogen, Haare abgetrocknet und im Stechschritt zurück ins altbewährte White Hart Inn in dem man uns schon lächelnd mit der Karte in der Hand empfing. Wir waren wirklich spät dran, aber das Personal war total lieb und ließ uns alle Zeit der Welt uns etwas leckeres zum Abendbrot auszusuchen.

Nach einem köstlichen Abendbrot und ein paar Bier ging es dann wieder ins B&B wo wir einen Schlachtplan für den nächsten Tag entwickelten, es sollte nämlich nordwärts nach Schottland, besser gesagt nach Edinburgh und in die Highlands gehen.

Wie wir nach Edinburgh gelangten und was uns dort erwartete liest du auf der nächsten Seite.

1 2 3 4 5

Write A Comment