Salisbury

Als erstes Vorweg: Zug fahren in England ist Spaß pur!

Die Züge sind auf die Minute pünktlich (So geht das liebe Deutsche Bahn!), man hat viel Beinfreiheit, alles ist sauber und die vollgepackten Snackwagen laden zum naschen ein und erinnern ein wenig an Harry Potter’s alte Hexe im Hogwarts Express – Kesselkuchen gab es aber keinen.

Da wir am 20.06. in Salisbury ankamen erinnerten wir uns Gegenseitig daran morgen bloß daran zu denken meinen Bruder Thomas anzurufen der nämlich am 21.06. Geburtstag hat. 21.06….konnte ich mir immer gut merken wegen der Sommersonnenwende. Moment. Sommersonnenwende? Gab es da nicht einen Zusammenhang mit steinzeitlichem Kult und…Stonehenge?

Der Taxifahrer am Bahnhof bestätigte uns dies…

Yes, tomorrow there’s a big celebration at Stonehenge. I don’t think they’re open today because of the preparations, but i’m not completely sure about that.

Verdammt! Und jetzt?

Direkt hinter dem Bahnhof fanden wir einen gemütlichen, kleinen Pub namens The Cat Tavern der auch Zimmer vermietete. Ein Zimmer wollten wir zwar nicht, aber unsere Koffer loswerden und das konnten wir dort. Bei einem Becher Tee und Scones legten wir uns einen Schlachtplan zurecht. Wir wollten mit dem Taxi nach Stonehenge fahren um zu gucken ob dort geöffnet ist, denn im Internet stand diesbezüglich nichts und der Wirt hatte auch keine Ahnung – anstatt das ich da einfach mal anrufe? Naja, manchmal ist man wie vernagelt. Weiterhin gibt es in Salisbury noch die Salisbury Cathedral in der das besterhaltenste der vier verbliebenen Exemplare der Magna Carta von 1215 beheimatet ist, diese wollten wir uns auch ansehen.

Wir gingen also vom Gepäck befreit wieder zum Bahnhof und machten mit “unserem” Taxifahrer einen wirklich fairen Festpreis aus und er fuhr uns nach Stonehenge. Wie wir schon befürchteten war Stonehenge aufgrund der Vorbereitungen auf die Sommersonnenwende geschlossen und wir saßen ziemlich enttäuscht im Taxi, eine England Rundreise ohne Stonehenge…das geht einfach nicht! Unser Taxifahrer fuhr uns dann auf einer Strecke an Stonehenge vorbei von der man die Säulen einigermaßen gut sehen konnte und er fuhr extra langsam damit wir Fotos machen konnten.

Stonehenge aus dem Taxi
Stonehenge aus dem Taxi

Wir ließen uns danach direkt zurück nach Salisbury fahren um uns die Stadt und die Kathedrale genauer anzuschauen. Salisbury ist wunderschön gelegen und bietet viel Grünflächen und noch mehr Fachwerkhäuser, das alles wird durch den Fluss Avon abgerundet der sich gemächlich durch die Stadt schlängelt.

Stadttor in der High Street (Salisbury)
Stadttor in der High Street (Salisbury)
Salisbury Cathedral
Salisbury Cathedral

Nachdem wir Stadt und Kathedrale ausgiebig erkundet hatten planten wir weiter, denn für einen weiteren Tag bot uns Salisbury nicht genügend Ziele. Nachdem wir über Google Maps und unseren Reiseführer gebrütet hatten, entschlossen wir uns als nächstes Bristol, eine Stadt etwa 90 km nordwestlich von Salisbury, zu besuchen. Wir suchten uns also eine Bahnverbindung und zuckelten wieder mal zum Bahnhof – 3 Menschen, 3 Rollkoffer – stiegen ein und fuhren los.

TIPP
Apropros Zug fahren: Wir haben uns vor der Reise bereits aus Deutschland jeder einen BritRail Euro GB Pass geholt, diesen kann man in Großbritannien nicht kaufen sondern nur aus dem Ausland bestellen und bei den exorbitanten Preisen für Zugfahrten in Großbritannien hat man den Preis von etwas über 100€ nach 2-3 Fahrten wieder raus – lohnt sich!

Bristol

In Bristol angekommen rollten wir mit den Koffern einmal quer durch die Stadt um uns den Schlüssel für unsere Studio Wohnung abzuholen, der Vermieter war dann so nett uns mit dem Auto zur Wohnung zu fahren da die nochmal am anderen Ende der Stadt lag. Die Strapazen haben sich aber gelohnt denn das Apartment war der Knaller! Geräumig, gemütlich und dabei auch noch günstig. Direkt gegenüber ein Café in dem man wunderbar frühstücken konnte, welches jetzt aber geschlossen ist wie meine Recherchen ergaben. Das Apartment lag im Stadtteil Upper Easton, also ziemlich zentral. Wir kauften uns Essen, Trinken und Knabberkram, legten im Apartment die Füße hoch um zu chillen. Dabei lief die Glotze und wir lasen und planten was wir machen wollen.

Wir beschlossen uns am nächsten Tag die Clifton Suspension Bridge, das Clifton Observatory und den Hafen anzuschauen.

Die Clifton Suspension Bridge hat mich wirklich begeistert! Erst dachte ich das eine Brücke als Wahrzeichen einer Stadt eigentlich nicht viel hermachen kann, da habe ich aber falsch gedacht. Es handelt sich um eine Kettenbrücke die den Fluss Avon – den wir schon aus Salisbury kennen – in der Avon Schlucht überspannt. Der Avon ist im Zentrum von Bristol übrigens tidenabhängig, die Tide beträgt beachtliche 13 Meter – für mich als Hamburger mit einem Tidehafen und einem Tidemoor in der Umgebung  ein interessantes Detail.

Clifton Suspension Bridge
Clifton Suspension Bridge
Blick in die Avon Schlucht
Blick in die Avon Schlucht
Bitte lächeln :-)
Bitte lächeln 🙂

Auf der Clifton Seite der Brücke befindet sich auf einem Hügel gelegen das Clifton Observatory. 1766 als Kornmühle erbaut und später als Mühle für Schnupftabak genutzt , beherbergt das Gebäude heute eine Camera Obscura und mehrere Teleskope. Diese Nutzung verdankt das Gebäude seit 1828 William West, einem Künstler der die Camera Obscura und die Teleskope dafür nutzte die umliegende Landschaft und die Schlucht Avon von Schülern der Bristol School of artists – der er selbst auch angehörte – malen zu lassen. Viele dieser Bilder finden sich heute in der Bristol City Museum and Art Gallery.

Die Camera Obscura befindet sich in der Turmspitze der ehemaligen Mühle, der Ablenkspiegel kann aus dem darunter liegenden und abgedunkelten Turmzimmer gedreht werden und das Panoramabild der Umgebung wird auf einen Rundtisch mit 1,5 Meter Durchmesser projiziert.

Clifton Observatory
Clifton Observatory

Erstaunlich an der Avon Schlucht, an der sich beide Sehenswürdigkeiten befinden, ist die überwältigende Natur die einem mitten in der Stadt begegnet. Der Schnitt zwischen Stadt und wundervollem Fels und Wald ist so drastisch das es einem fast surreal vorkommt.

Im Clifton Observatory befindet sich außerdem der Eingang zur Felshöhle St Vincent’s Cave. Die Höhle, eigentlich nicht von oben zugänglich, wurde von William West zugänglich gemacht indem Er einen Tunnel grub der 62 Meter in die Tiefe führt und dessen Vollendung zwei Jahre dauerte. Der Blick aus dem St. Vincent’s Cave ist unbeschreiblich! So unbeschreiblich das ich tatsächlich das fotografieren vergessen habe.

St Vincent's Rock mit Höhle
St Vincent’s Rock mit Höhle
Schnitt zwischen Stadt und Natur
Schnitt zwischen Stadt und Natur

Nachdem wir die Natur in vollen Zügen genossen haben, machten wir uns auf den Weg in den Hafen von Bristol. An den Cascade Steps, einer Brunnentreppe ins Hafenbecken in dem viele Kinder spielen, angekommen sprang uns sofort der Stand von Quick Crepes ins Auge an dem wir uns verköstigten und einen Kaffee bzw. Tee gab es auch.

Als Hamburger kennt man die Allgegenwart von Tauben, wenn man sich irgendwo aufhält wo man draußen etwas zu essen bekommt. In Bristol scheinen es eher die Möwen zu sein, diese waren nämlich zu hunderten dort und kannten keinerlei Scheu vor Menschen.

Möwe im Hafen von Bristol
Möwe im Hafen von Bristol

Wir schlenderten noch ein wenig im Hafen herum, begaben uns aber relativ bald wieder in unser Apartment, denn am nächsten Morgen sollte es mit dem Zug nach Abergavenny und von dort weiter nach Talybont on usk im schönen Wales gehen.

Warum die Anreise spannend zu nennen war und wie Wales uns gefiel liest du auf der nächsten Seite.

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